Frühschwimmen im Totobad

Saarbrücker Zeitung 28. Juli 2009

Der Totobad-Förderverein hat auch dieses Jahr wieder dafür gesorgt, dass im Totobad die Möglichkeit zum „Frühschwimmen“ im 50-Meter-Becken besteht. Noch bis 14. August können Frühaufsteher von Montag bis Freitag zwischen 7 und 9 Uhr (das Bad öffnet regulär um 9 Uhr) auf dem Schwarzenberg ins Wasser gehen – vorausgesetzt: Das Wetter stimmt. Der Eingang für Frühschwimmer ist rechts neben den Kassen. Der Eintritt kostet zwei Euro. red
www.totobad.de

Wasser von oben, Wasser von unten

Saarbrücker Zeitung 16.7.2009
Susanne Brenner wird allmählich zum Schlecht-Wetter-Fan.

So kann's gehen
Natürlich liebe ich wie alle Menschen den Sonnenschein. Der Sommer ist meine liebste Jahreszeit . . . obwohl: So ein Regentag hin und wieder hat ja auch was. Man fühlt sich nicht so verpflichtet, aufregende Dinge zu unternehmen, sondern kann ganz entspannt und ohne schlechtes Gewissen auf dem Sofa lümmeln und ein Buch lesen. Aber wie gesagt, normalerweise ist mir ein schöner Sommertag lieber.
Ein absoluter Fan von trübem Wetter bin ich aber, wenn es ums Schwimmen geht. Das Saarbrücker Totobad bei bedecktem Himmel ist ein Traum. Gestern Morgen war ich mal wieder da. Es war nicht kalt, aber eben doch sehr wolkig – und prompt war außer mir kaum jemand da. Nur jenes verschworene Häuflein meist nicht mehr ganz junger Damen und Herren, die eisern bei jedem Wetter ihre Bahnen ziehen.
Das Wasser ist dann kalt und ganz klar, es ist still, und man hat so herrlich Platz im 50-Meter-Becken. Niemand stresst, und es stört höchstens mal das zu süße Parfüm einer vorbeipaddelnden Dame. Ganz anders an einem langen Sonnentag. Da riecht das Wasser nach allen Arten von Sonnenmilch und anderen Dingen, von denen man gar nicht wissen will, was es ist. Da bleibe ich dann lieber daheim im Garten und freue mich auf den nächsten Wolkentag. Von mir aus könnten sie die Freibäder noch im November öffnen.

Die Fritten sind sein Hit

Saarbrücker Zeitung 16. Juli 2009                       Saarbrücker Kioske  - SZ-Serie

Jürgen Gerdum betreibt die Kioske im Saarbrücker Totobad Früher gehörten sie in vielen Innenstädten und an Sehenswürdigkeiten zum Straßenbild. Heute sind die klassischen Kioske echte Raritäten. Die SZ stellt in einer Serie einige der letzten Exemplare vor.
Von SZ-Redakteur  Peter Wagner
Saarbrücken. „Mein Leben ist das Totobad“, sagt Jürgen Gerdum, und wer es nicht glaubt, der betrachte ein Foto vom Winter, das ihn in der Badehose auf dem zugefrorenen Schwimmerbecken zeigt. So etwas würde sich keiner antun, der sein Schwimmbad nicht liebt, oder?
Gerdum ist seit 1985 Pächter der Kioske im Schwarzenbergbad, also vom „Schwarzenbergstübchen“ und von „Greifers Imbiss“. „Greifer“ ist der Spitzname des Chefs, und der kommt von dem Greifvogel, der die Flasche eines bekannten Magenbitters ziert, den Gerdum besonders gern trinkt. Beziehungsweise früher öfter trank als heute; vor fünf Jahren hatte er eine schwere Operation, da muss man langsamer machen. Rauchen geht gar nicht mehr. Andererseits geht Jürgen Gerdum, der 1955 aus Baumholder ins Saarland kam, mit seinen immerhin 69 Lebensjahren noch gern arbeiten, jetzt in der Saison natürlich von früh bis spät. Morgens ist er meist der Erste im Wasser.
Im April kann er es kaum erwarten, dass das Bad für die Eröffnung im Mai hergerichtet wird. Im „Stübchen“, der Hauptanlaufstelle für die Hungrigen und Durstigen, gibt es einen Renner, der alle anderen Artikel der Karte bei der Beliebtheit in den Schatten stellt, was in Anbetracht frisch zubereiteter Eisbecher und sonstiger Leckereien bemerkenswert ist: Pommes frites! „Viele Leute kommen nicht wegen des Schwimmens, sondern wegen der Fritten“, freut sich Jürgen Gerdums Frau und Küchenchefin Danuta. Bezeichnenderweise hatte er sie hier in seinem Bad kennengelernt. Die Pommes, vielleicht mit die Besten in ganz Saarbrücken, werden übrigens in essbaren Tüten verkauft, was viel Müll spart.
Oft wird Jürgen Gerdum gefragt, ob er Millionär sei, solch eine Bad-Gastronomie sei doch eine Goldgrube. Da muss der Chef aber laut lachen und abwinken und einiges aufzählen, warum das nicht sein könne: hohe laufende Kosten, natürlich auch im Winter, niedrige Preise und damit auch Gewinnmargen sowie allgemeine Konsumzurückhaltung: „Früher haben die Leute ihr Getränk bei mir gekauft, heute bringen sie es mit. Seit 1990 geht das Geschäft Jahr für Jahr zurück“, berichtet der gelernte Gastronom. Und dann die Wetterkapriolen: Früher ließen sich die Saarbrücker von ein wenig Regen nicht den Badbesuch verderben. An Werktagen kamen meist 6000 Besucher. Wenn heutzutage am Morgen drei Tropfen fallen, ist der Tag aus Sicht der Badbetreiber gelaufen.
Jürgen Gerdum will aber nicht klagen, sondern lieber Reklame für das wunderschön auf der Höhe gelegene Bad machen, in seinen Augen eine Art Gesamtkunstwerk aus Bauten, Becken und Bäumen, die in den 50 Jahren zu einem stattlichen Wald geworden sind. Viel schöner kann ein Kiosk nicht liegen. „Mein Leben ist das Totobad.“  Jürgen Gerdum

Kindheitserinnerungen aus dem Totobad


Zum Jubiläum gibt's ein Buch, es heißt „Vom Beckenrand“, der Erlös ist für ein Sonnensegel über dem Planschbecken Bei der Party zum 50. Geburtstag des Totobades präsentierte Jutta Schmidt ihr Buch „Vom Beckenrand“. Der Erlös ist für ein Sonnensegel über dem Planschbecken. Denn das Bad profitiert nicht vom Konjunkturpaket.
Von SZ-Mitarbeiter  Andreas Lang
St. Johann. Das Schwarzenbergbad, das die meisten Saarbrücker liebevoll Totobad nennen, wird ebenso wie das Freibad Dudweiler nicht direkt davon profitieren, wenn drei Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung unter den städtischen Bädern verteilt werden. Das kündigte Saarbrückens Sportdezernent Paul Borgard am Freitagnachmittag bei der Eröffnung der 50-Jahrfeier des Totobades an.
Dennoch hatte er auch positive Nachrichten mitgebracht: „Das Geld aus dem Konjunkturpaket verschafft uns mehr Handlungsfreiraum in unserem normalen Haushalt, und wenn der neu gewählte Stadtrat dies will, werden auch im Totobad Sanierungsarbeiten zu realisieren sein.“
Jutta Schmidt will auch Geld für das Totobad beschaffen. Für ihr Buch zum Totobad-Jubiläum – Titel „Vom Beckenrand“ – erhebt sie eine Schutzgebühr von neun Euro. „Für den Erlös soll ein Sonnensegel für das Kinderbecken beschafft werden“, verfügte sie, als sie ihr Buch erstmals der Öffentlichkeit präsentierte – ebenfalls zum Start der Party „50 Jahre Totobad“.
Das Buch ist ihre Diplomarbeit. Es dokumentiert die Ausstellung, die im Vorjahr im Rahmen eines Kunstprojektes der Hochschule der Bildenden Künste im Totobad zu sehen war. Vornweg zeigt das Buch lustige Bilder von Damen mit außergewöhnlichen Badehauben. Dann wendet sich die Autorin ihrem zentralen Thema zu, den „Erinnerungen“.
Als 2005 über die Schließung des Totobades diskutiert wurde, habe sie sich die Frage gestellt: „Das hat viele Menschen emotional beschäftigt, aber warum?“ Die Antwort gibt sie selbst: „Weil Schwimmbäder ein Ort der Erinnerung sind, Erwachsene verbinden Schwimmbadbesuche mit ihrer Kindheit.“ Viele Fotos im Buch, so erläuterte Schmidt, seien „re-inszeniert“. Einige Aufnahmen könnten Träumen entsprungen sein, andere könnten aus einem Super-Acht-Familienfilm stammen.
Stadträtin Karin Burkard (Grüne) hält das Buch für gelungen. Sie kaufte sich an Ort und Stelle ein Exemplar und ließ sich von der Künstlerin eine Widmung hineinschreiben.
Am Samstag ging das Schwimmbad-Jubiläum mit einer großen Beach-Party weiter, viele Gäste tanzten – auch im Wasser – zur Musik von Roomservice, Double A und eines DJ-Teams. Familienprogramm war am Sonntag angesagt – mit Puppentheater, Aqua-Kino und günstigem Eintrittspreis.
Zurück zum Sportdezernenten Borgard. Der verwies am Freitag darauf, dass die Konkurrenz für die öffentlichen Bäder größer werde. Seine Strategie: „Wir müssen weg von der Freibad-Philosophie und mehr Kombi-Bäder realisieren.“ Er forderte die Saarbrücker auf, in ihre Bäder zu gehen: „Wenn wir als Verwaltung der Politik Rechnung ablegen müssen, sind hohe Besucherzahlen ein starkes Argument.“

Bildunterschrift Viele Saarbrücker verbinden mit dem Totobad Erinnerungen an unbeschwerte Stunden aus Kindheit und Jugend. Archiv-Foto: Iris Maurer
Zum Start der Party „50 Jahre Totobad“ präsentierte Jutta Schmidt am Freitag ihr Buch „Vom Beckenrand“. Foto: Andreas Lang


Informationen, Eintrittspreise, Meinungen

So schreibt die Stadt über ihr Freibad, zu finden unter www.saarbruecken.de
http://www.saarbruecken.de/de/leben_in_saarbruecken/freizeit/schwimmbaeder/freibad_schwarzenberg_-_totobad
Aktionsbecken mit 1.450 m² Wasserfläche, Schwallduschen, Wasserpilz, Strömungskanal, Whirlbucht, Liegemulde, Massagedüsen und einer kleineren sowie der 80m-Großraumrutsche, Sprungbecken 20 x 21 m, 3 m-Sprungturm und zwei 1 m-Sprunganlagen, Sportbecken 50 x 21 m, Planschbecken Durchmesser 15 m, Beckenwasser vorgewärmt durch Solaranlage
Weitere Einrichtungen: Kinderspielplatz, Beach-Volleyball-Anlage, Street-Soccer-Anlage, 18-Loch-Minigolf-Anlage, Ballspielplätze, Schachfelder
Öffnungszeiten: Täglich  von 9.00 bis 20.00 Uhr;
Gaststätte Am Schwarzenberg, Saarbrücken Tel.: 0681/ 38 99 70



krimmelche83 schreibt am 8.7.2008 unter www.freizeitengel.de/saarland/Schwarzenbergbad.html
Ich war dieses Jahr das erste mal im Schwarzenbergbad und war angenehm überrascht. 2 Grosse Becken für Nicht/Schwimmer. 2 Rutschen wo man nicht lange ansteht, Turbokanal, Whirlpool. Auch die Liegewiesen sind gross und aussreichend. Parkplätze sind jedoch sehr wenige und die Polizei schleppt auch gerne mal ab. Eintrittspreise und Gastronomie völlig o.k. Alles in allem sehr zu empfehlen.



2007 "Totobad - mein Erlebnisbericht "

Ein exemplarischer Leserbrief

Heute, Donnerstag, 24.05.2007, war ein echter Sommertag in Saarbrücken. Um 12:30 Uhr zeigte das Thermometer an der Werksausfahrt der ZF Getriebe GmbH im Industriegebiet Süd 29°C! Dies zusammen mit der Tatsache, dass die Wettervorhersage für das bevorstehende Pfingstwochenende nicht allzu erfreulich ist ("...am Samstag heftige Platzregen bei knapp über 20°, am Sonntag zahlreiche Regengüsse, Temperaturen nur noch bei 15°C...") ließ bei mir den Entschluss reifen: "Heute machst du mal früher Feierabend, schnappst dir deine Kinder (zwei Jungen im Alter von 9 und 7 Jahren) und fährst um 16:30 Uhr mit ihnen ins Totobad.

Denn ich hatte die lang ersehnte Meldung in der Saarbrücker Zeitung vom Mittwoch noch vor Augen: "Schwarzenbergbad öffnet heute - ... Wasserratten können sich nach Angaben der Bäderbetriebsgesellschaft von 11 bis 18 Uhr austoben. Je nach Wetterlage und Nachfrage sei auch eine Öffnung bis 20 Uhr möglich."

Und tatsächlich: auf der Arbeit kam nichts Unvorhergesehenes dazwischen, ich konnte wie geplant frühzeitig Schluss machen. Meine Kinder kamen dann wie abgesprochen um 16:10 Uhr von der Schule nach Hause, die Badesachen waren gepackt, nichts wie los, um den Bus um 16:27 Uhr an der Haltestelle in Rußhütte zu erwischen. Die Busfahrt bis ins Totobad war dank der "neuen erstklassigen Verbindungen" (so die Plakatwerbung der Saarbahn+Bus-Gesellschaft) mit einiger Wartezeit an lauten und staubigen Haltestellen in der Innenstadt verbunden und dauerte fast ein Drittel länger als vor der Reform letzten November 2006. Die Klimaanlagen der benutzten Busse waren sämtlich nicht in Betrieb (Sparmaßnahme!?!), die Fensterklappen leider verriegelt - mit jeder Minute, die unsere Busfahrt dauerte, steigerte sich die Vorfreude auf das erfrischende kühle Nass unseres Lieblingsbades im Stadtverband.

Endlich Saisoneröffnung, vier Wochen später als in der Nachbargemeinde Riegelsberg - das tut nichts mehr zur Sache: gleich sind wir mitten drin! Ankunft an der Kobenhütte mit der Linie 107 um 17:20 Uhr, jetzt nur noch ein paar schlappe Höhenmeter zu Fuß überwinden... Wir lechzten förmlich, den Eingang des Bades zu erreichen.

Da kam uns eine freundliche ältere Dame entgegen.: "Wollen Sie ins Totobad?" Wir antworteten freudig: "Ja!" Daraufhin sie: "Da brauchen Sie nicht weiterzugehen, denn um 18 Uhr wird geschlossen, der letzte Einlass war um 17 Uhr!"

Wir glaubten unseren Ohren nicht zu trauen. "Je nach Wetterlage und Nachfrage ist auch eine Öffnung bis 20 Uhr möglich." Die Formulierung aus der Zeitung klang wie reiner Hohn im Gedächtnis nach - 17:20 Uhr, astrein-blauer Sommerhimmel mit ein paar Quellwolken, tatsächliche Temperatur wohl 29°C, von der gefühlten ganz zu schweigen. "Ja, ist denn da oben niemand mehr, der um diese Zeit noch schwimmen gehen will?" "Doch, vor dem Eingang ist es voll, aber die einzige Kassenfrau, die anwesend ist, hat Weisung, ab 17 Uhr niemanden mehr ins Bad zu lassen."

Da blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Hilflosigkeit als arme dumme Bürger dieser Stadt zu akzeptieren und uns wieder an die Bushaltestelle zu stellen, wo wir heute schon mehr als genug Zeit verbracht hatten. Gut, dass uns der Weg wieder über die Innenstadt führte. Da haben wir mit dem Geld, das wir nur zu gern im Totobad für Eintritt und eine Portion Eis für jeden angelegt hätten, eben den Umsatz der Eisdiele "Jesolo" gesteigert. Und wir konnten feststellen, dass die italienischen Eisverkäufer Gott sein Dank tüchtigere Geschäftsleute sind als die Betreiber des Saarbrücker Bäder. Denn würden erstere so handeln wie letztere, hätten sie ihre Eisdiele um 18 Uhr dichtgemacht.

Wetter hin oder her... Um 19:20 Uhr - drei Stunden nach unserem erwartungsvollen Aufbruch Richtung Totobad - waren wir wieder zu Hause. Die digitale Wetterstation dort zeigte 29,4°C, der Himmel war mittlerweile wieder wolkenlos - aber zu diesem Zeitpunkt war das Freibad schon seit über einer Stunde geschlossen. Da fragen wir uns: Wer befindet in der Bäderbetriebsgesellschaft über die "Wetterlage"?

Die Enttäuschung ist riesig - es sind solche Erlebnisse, die den Frust der Bürger über alles, was in der Kommunalpolitik geschieht, ins Unermessliche wachsen lassen. Und manchmal lassen sie mich an der Richtigkeit der Entscheidung zweifeln, nach der Studienzeit nicht, wie fast alle meiner nicht-saarländischen Kommilitonen, dieser Stadt und diesem Land wieder den Rücken gekehrt zu haben. Imma Gütschow, 66113 Saarbrücken  

P.S.: Diesen Bericht habe ich an Frau Oberbürgermeisterin Britz und an alle Fraktionen im Saarbrücker Stadtrat sowie an den Förderverein verschickt; ebenso sende ich ihn der Saarbrücker Zeitung als Leserbrief.




aktualisiert:  16:56 31/10 2009